Wegen der Psyche in die Klinik?
Voraussetzungen & Chancen

Ich war in meinem bisherigen Leben zwei Mal in einer psychosomatischen Klinik – und zwei Mal war es ein Flop.

Aus meinem ersten Klinikaufenthalt kam ich sogar schlechter raus als ich hinein ging.
Ich ging nach 6 Wochen als "Abbrecherin", als Versagerin.
Versagerin auf ganzer Linie.
Nicht nur – mal wieder – psychisch am Ende, sondern selbst zum Gesundwerden zu blöd.
Trotz (wie ich damals dachte) optimaler Hilfestellung durch die Klinik, zum Gesundwerden zu blöd.

Nicht unbedingt das Ergebnis, das ich mir von dem Aufenthalt erhofft hatte…

Doch – woran lag das?
An mir – wie mir die Ärzte bei Entlassung mitgaben?
An der Klinik? Am Konzept? An den Mitpatient*innen?
Lag es am Zeitpunkt? An der Phase meiner Erkrankung? An der Phase meiner Genesung?

Ja, wahrscheinlich – an allem.

Würde ich deshalb sagen, dass Klinik nichts bringt?

Auf gar keinen Fall!

Ich denke sogar, dass der Aufenthalt für meine eigene Genesung unglaublich wichtig war!
Aber dazu später mehr.

Hätte ich vorher wissen können, dass es so laufen wird?

Ich denke nicht.

Denn informiert war ich gut. Recherchiert hatte ich im Vorfeld genug.
Am theoretischen Wissen scheiterte es – wie so oft, wenn es um unsere Gesundheit geht – nicht.

Nur gefühlt hatte ich nicht.
In mich hineingespürt, meine Seele, mein Herz, meine Intuition gefragt – das hatte ich nicht.
Konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht, denke ich.
Dieses Fühlen. Dieses Kontakt mit mir selbst aufnehmen. Das war ja vollständig gekappt.
Da blieb eben nur der Verstand…
(Willst Du wissen, wie es sich anfühlte, als die Gefühle zurückkamen? Dann schau mal hier: Wer willst du sein?)

Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.

— Immanuel Kant

Ja, lieber Kant, meinen Verstand hatte ich gefragt…
Es macht ja auch absolut Sinn, sich vor einem möglichen Klinikaufenthalt gut zu informieren.
Und sich ein paar grundlegende Fragen zu stellen.

Grundlegende Fragen im Vorfeld:

    • Was will ich? – Was will ich nicht?
    • Was brauche ich für meine Genesung? – Was brauche ich nicht?
      Viel Kontrolle, viel Therapie, voller "Stundenplan"? – Viel Zeit für mich selbst, viel Ruhe?
    • Was ist mein Ziel für den Klinikaufenthalt?
      Meine Probleme bearbeiten? Disfunktionales Verhalten ändern? Mich selbst besser kennenlernen? Einfach eine Auszeit haben? Wieder arbeitsfähig, wieder belastbar werden?
    • Wie schnell brauche ich Hilfe?
      Innerhalb der nächsten Tage, ganz akut? Kann ich noch einige Wochen warten?
      Will ich vielleicht sogar noch einige Wochen warten, da noch Dinge zu regeln sind?
    • Wie lange möchte ich in der Klinik bleiben?
      Wenige Tage? Einige Wochen? Monate?
    • Welche Rahmenbedingungen brauche ich?
      Nähe zur Heimat, um Besuch zu bekommen? Großer räumlicher Abstand?
      Freier Umgang mit Medien und Telefon oder komplette Konzentration auf mich selbst?
      Viele Mitpatient*innen oder lieber kleine Station?
      Alle mit dem gleichen Krankheitsbild oder lieber bunt gemischt?

    Nicht Alles kannst Du selbst beeinflussen.
    Aber es hilft, Dir über Deine Vorstellungen, über Deine Wünsche und Erwartungen klar zu sein.
    Es hilft, Dir all diese Fragen im Vorfeld gestellt zu haben.
    Auch wenn Du sie nicht alle beantworten kannst.

    Ich konnte damals die letzten Fragen ganz gut beantworten, bei Frage 1 und 2 war ich "raus".
    Ich hatte keine Ahnung, was ich will und was ich brauche.
    Auch mein Ziel war nicht klar definiert.
    Es war mir nicht einmal klar, dass ich ein Ziel hätte definieren sollen!
    Mein Ziel war "Hilfe bekommen".

    Heute weiß ich, dass ich mir da mehr Gedanken hätte machen sollen.
    Heute weiß ich, dass ich mir mehr Gedanken hätte machen dürfen!
    Ich hätte definieren dürfen, was ich in der Klinik erreichen will und was nicht. Was ich lernen und erfahren will oder muss – aber auch, was ich schon weiß. Über mich, über das Leben…
    Als Expertin für mich selbst hätte ich dort antreten sollen.
    Angekommen bin ich jedoch als hilfsbedürftiges Opfer.

    Ich wusste nicht, was ich will und was ich brauche, also habe ich auf den Rat meiner Therapeutin gehört, auf den Rat meiner Ärztin – im Nachhinein klar, dass diese es nicht besser wissen konnten.

    Immerhin die letzten 3 Punkte – Wie schnell? Wie lange? Unter welchen Bedingungen? – hatte ich für mich im Vorfeld beantwortet. Sie führten mich zur Wahl der "geeigneten" Klinik. Hier meine Erkenntnisse, für Deutschland und als gesetzlich krankenversichert – ohne Garantie und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

    Die 4 wichtigsten Fragen für die Wahl einer geeigneten Klinik:

      1. Psychosomatische Klinik oder Psychiatrie?

      • Eine Psychiatrie ist ein "richtiges" Krankenhaus, bzw. oft eine Abteilung einer "normalen" Klinik, in der auch körperliche Erkrankungen behandelt werden.
        In einer Psychiatrie wirst Du u.a. in akuten Krisen behandelt, es gibt eine Notaufnahme, in die Du im Ernstfall ohne Einweisung eines Arztes gehen kannst.
        In Psychiatrien werden alle Arten von psychischen Erkrankungen behandelt, auch eine Diagnose kann dort gestellt werden.
        Die Aufnahme erfolgt in der Regel sehr schnell, innerhalb weniger Tage. Bei Eigen- oder Fremdgefährdung auch sofort.
        Es gibt offene und geschlossene Abteilungen, manchmal auch Tageskliniken – insgesamt steht (oft) der medizinische Aspekt im Vordergrund, die Psychotherapie erfolgt eher begleitend.
      • Eine psychosomatische Klinik legt den Schwerpunkt auf die psychotherapeutische Arbeit, die medizinische Betreuung erfolgt begleitend. In einigen Fällen gibt es auch hier tagesklinische Angebote.
        Was die Behandlung körperlicher Leiden angeht, sind die Kliniken unterschiedlich gut ausgestattet. Dementsprechend nehmen einige dieser Kliniken Patienten, die eine intensive medizinische Betreuung bedürfen, nicht auf.
        Aufnahme erfolgt in sogenannten "Akutkliniken" nach Einweisung durch einen Arzt. Oft reicht eine Überweisung des Hausarztes, manche Kliniken wollen die Einweisung durch einen Psychiater, ein auf psychische Erkrankungen spezialisierter Arzt. Meiner Erfahrung nach ist es aber auch nicht schwer, eine psychiatrische Einweisung zu erhalten, wenn bereits ein Therapeut eine Diagnose gestellt hat und einen Klinikaufenthalt befürwortet.
        Viele Psychosomatische Kliniken sind auf bestimmte Krankheitsbilder spezialisiert. Es kann Sinn machen, sich eine solch spezialisierte Klinik auszusuchen – muss aber nicht.

      In meinem Fall damals:
      Ich brauchte nicht unmittelbar Hilfe, meine Diagnose stand bereits, ich konnte und wollte meinen Aufenthalt vorausplanen, der Schwerpunkt sollte auf der psychotherapeutischen Bearbeitung meiner Probleme liegen – es sprach alles für eine spezialisierte Psychosomatik.

      2. Psychosomatische Akutklinik oder Rehaklinik?

      • Wie bereits erwähnt, braucht es für einen Aufenthalt in einer Akutklinik lediglich eine Einweisung. Die Finanzierung erfolgt dann (bis auf das Krankenhaustagegeld) durch die Krankenkasse.
        Leider bedeutet "Akut" in diesem Fall nicht, dass Du direkt aufgenommen werden kannst – wie z.B. in einer Psychiatrie. Oft gibt es zunächst ein Vorgespräch, in dem Du und die Klinik überprüfen könnt, wie gut ihr zusammenpasst. Entscheidet ihr euch beide für eine Arbeit miteinander, gibt es meist noch Wartezeit. Diese hängt von der Anzahl der Plätze in der Klinik ab, davon wie "begehrt" die Klinik ist, davon wie flexibel und spontan Du anreisen kannst. Diese Wartezeit bewegt sich – leider – zwischen 1 Woche und 20 Monaten. Wobei es nach oben kein Limit zu geben scheint. Auch wenn es mir völlig schleierhaft ist, wer nach 20 Monaten noch einen Platz braucht, wenn er JETZT erkannt hat, dass es ambulant nicht mehr weitergehen kann. In meinen Augen ist er bis dahin von alleine auf einem guten Weg – oder tot.
        Daneben gibt es noch psychosomatische Tageskliniken, bei denen Du – wie der Name schon sagt – nur die Tage verbringst, abends aber wieder nach Hause kannst. Die Modalitäten sind jedoch ähnlich wie bei vollstationären Aufenthalten.
        In beiden Fällen hast Du die Chance über mehrere Wochen, manchmal je nach Diagnose und Behandlungsverlauf sogar mehrere Monate, ganz konzentriert in einem geschützen Rahmen begleitet von einem interdisziplinären Team therapeutisch an Dir und Deinen Problemen zu arbeiten.
      • Eine psychosomatische Reha dient wie eine rein somatische Rehabilitation der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Ein solcher Klinikaufenthalt wird also nicht wie ein Akutaufenthalt von Deiner Krankenkasse übernommen, sondern muss im Vorfeld bei der Rentenversicherung beantragt werden. Als Angestellte*r zahlst Du ja automatisch in die Rentenversicherung ein. Bist Du selbständig und tust das nicht, kannst Du auch keine Reha beantragen. Bei der Beantragung kannst Du – je nach Versicherung – oft eine Wunschklinik angeben, kannst aber erst nach Bewilligung wirklich anreisen.
        Auch psychosomatische Rehakliniken sind in der Regel auf bestimmte Krankheitsbilder spezialisiert und haben Wartezeiten. Die Aufenthaltsdauer ist mit meist 4-6 Wochen deutlich kürzer als in Akutkliniken. Oft folgt eine Reha-Behandlung auch im Nachgang nach einer Akutklinik. Fast wie im somatischen Bereich: erst das Krankenhaus und danach auf Reha, um wieder fit für den Alltag zu werden.
      • Psychosomatische Akut- und Rehakliniken sind oft nicht auf den ersten Blick zu unterscheiden. Manche Kliniken bieten sogar beides an. Auf der Website der Klinik kannst Du Dich aber in der Regel umfassend über Art der Klinik, Bedingungen zur Aufnahme, Schwerpunkte, Behandlungsdauer, Wartezeiten, Voraussetzungen für die Aufnahme, etc. informieren.

      In meinem Fall damals:
      Ich war weit entfernt von dem Punkt, in wenigen Wochen wieder fit für den Arbeitsalltag gemacht zu werden. Viel zu viel lag im Argen. Viel zu viel wollte noch aufgearbeitet werden. Und – das möchte ich nicht leugnen, es tat mir gut, mich im Vorfeld nicht um die Finanzierung kümmern zu müssen. Lediglich zum Arzt, eine Einweisung besorgen – fertig. Auch die Tatsache, dass der Aufenthalt zeitmäßig nicht limitiert war, dass ich solange bleiben konnte, wie nötig, auch das beruhigte mich im Vorfeld. – So fiel die Entscheidung auf eine Akutklinik. Meine Wartezeit betrug damals ca. 3 Monate, das war nicht schön, aber überschaubar.

      3. Was soll in der Klinik passieren?

      Jede Klinik ist anders. Jede Klinik verfolgt ein eigenes Konzept. Es gibt Kliniken, die nach tiefenpsychologisch fundierten oder verhaltenstherapeutischen Therapiekonzepten behandeln. Was jeweils der Fall ist und was das beinhaltet, findest Du ebenfalls auf der Website der Klinik.
      Generell kann man sagen, dass es in jeder psychosomatischen Klinik verschiedene Therapienarten gibt, von Einzel- über Gruppentherapie, Bewegungsangebote und Ergotherapie bis zu "exotischeren" Angeboten wie Reit- oder Tanztherapie. Du bekommst einen mehr oder weniger individuellen Studenplan an Therapien und Freizeitaktivitäten, der Dich unterstützen soll, umfassend an Dir und Deinen Problemen zu arbeiten sowie gleichzeitig wieder Genuss und Freude am Leben zu gewinnen. Eine feste Mahlzeitenstruktur und Vollverpflegung ist wie in jeder anderen Klinik auch gegeben.
      Manche Kliniken setzen auf Minimierung von Ablenkung durch Handyverbot und Fernsehen in Gemeinschaftsräumen zu bestimmten Zeiten, während andere da vermeintlich mehr "Komfort" bieten.
      In fast allen Kliniken gibt es Doppel-, selten Mehrbettzimmer. Einzelzimmer oft nur für Privatversicherte. Das hört sich vielleicht erst einmal abschreckend an – ich fand die Vorstellung auch nicht besonders prickelnd, mir mit 30 Jahren und nach 12 Jahren eigene Wohnung ein Zimmer mit einem fremden Menschen zu teilen. Als ich dann da war, war – wie fast alles – anders als gedacht. Das Zimmer bot genügend Privatsphäre und es tat gut, nicht alleine zu sein. Natürlich ist diese Erfahrung sehr individuell. Für Patienten, die überhaupt nicht zurecht kommen, bemühen sich die meisten Kliniken um eine individuelle Lösung.

      In meinem Fall damals:
      Ich hatte keine Ahnung von meinen Wunsch-Rahmenbedingungen. So ließ ich mich einfach auf die Gegebenheiten ein. Für mich funktionierte das gut. Für mich hatten die Rahmenbedingungen keine allzu große Bedeutung.

      4. Wie komme ich an einen Klinikplatz?

      Zunächst einmal geht es darum, eine passende Klinik zu finden.
      Da findet sich, wie gesagt, im Internet viel Hilfreiches. Direkt auf den Websites der Kliniken, auf Portalen oder auch in spezialisierten Gruppen in sozialen Netzwerken.
      Weitere Anlaufstellen sind der Hausarzt, der Therapeut, Beratungsstellen oder auch die Krankenkasse, die oft von anderen Patienten/Versicherten bereits Erfahrungswerte hat und einzelne Kliniken für bestimmte Krankheitsbilder empfehlen kann. Oft helfen diese Ansprechpartner auch direkt bei der Antragsstellung. Wie bereits erwähnt, kommt es darauf an, ob es sich um eine Akut- oder eine Rehaklinik handelt. Je nachdem braucht es zuvor die Zusage des Kostenträgers oder auch nicht. Ein Antrag auf Aufnahme, bzw. eine Anmeldung direkt in der Klinik muss jedoch – meines Wissens nach – immer erfolgen. Wie erwähnt gibt es im Anschluss meist ein Vorgespräch, das bei langer Anreise meist auch telefonisch geführt werden kann.

      In meinem Fall damals:
      Ich hatte ganz wunderbare Unterstützung durch eine Beratungsstelle, die auch die Anmeldung in meiner Wunschklinik übernahm. Diese Klinik führte ein persönliches Vorgespräch. So konnte ich mir die Klinik schon einmal ansehen, die Oberärztin bereits kennenlernen, mich mit dem Ort auseinandersetzen.

      Niemals werde ich die Panik vergessen, die ich an diesem Tag verspürte.
      Die kindliche Angst, direkt dort bleiben zu müssen.
      Niemals werde ich vergessen, wie ich meinen Freund anbettelte, mich wieder mit nach Hause zu nehmen – damals beim Warten auf der Parkbank.
      Verrückt, wenn man bedenkt, dass ich mir diesen Weg komplett selbständig ausgesucht hatte…

    Dem Rat meiner Ärzte folgend, stellte ich diesen Weg auch überhaupt nicht in Frage. Zum damaligen Zeitpunkt war ich überzeugt davon, ein Klinikaufenthalt sei unumgänglich. Zum damaligen Zeitpunkt war ich überzeugt davon, daer Klinikaufenthalt wäre der einzige und wahre Weg zur Genesung.

    Heute ist für mich klar – der absolute Heilsbringer, das Allheilmittel, die "letzte Rettung" ist eine Klinik nicht.
    Genauso wenig ist ein Klinikaufenthalt eine Schande, ein Eingeständnis des Scheiterns, der eigenen Schwäche.

    Eine Klinik ist EINE Möglichkeit.

    Eine Möglichkeit unter vielen. Sie kann eine Chance sein, ein Geschenk, aber auch ein Alptraum.

    Ob es die richtige Option ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab:
    Von Deinem Charakter, Deiner aktuellen privaten und beruflichen Situation – eben von dem, was Du gerade jetzt brauchst und willst.

    Doch natürlich hat ein Klinkaufenthalt Vorteile gegenüber einer ambulanten Therapie, ja, natürlich! Nicht umsonst werden Kliniken von Ärzten und Therapeuten, aber auch von Beratungsstellen gerne und viel empfohlen.

    Die 4 wichtigsten Vorteile einer psychosomatischen Klinik

    1. Du kommst aus Deinem gewohnten Umfeld

    Du kommst für einige Wochen richtig aus dem Alltag.
    Kannst Dich eine zeitlang ausschließlich um Deine eigenen Probleme kümmern. Ohne egoistisch oder egozentrisch zu erscheinen. Nur um Deine eigenen Probleme, nicht die Deiner Familie, Deiner Arbeitskollegen, Freunde und Bekannten.
    Du hast Zeit nur für Dich. Viel Zeit.
    Kannst aus konflikthaften Beziehungen aussteigen. Kannst Abstand gewinnen.
    Umso weiter entfernt von Zuhause die Klinik ist, umso besser gelingt dies meist.
    Du kommst für einige Wochen in eine schöne Gegend. Psychosomatische Kliniken liegen meist idyllisch. In einer ruhigen Umgebung, die zu Erholung einläd.
    Es fühlt sich ein bisschen so an, als würdest Du die Pause-Taste Deines Lebens drücken.
    Oder zumindest in Slow-Motion schalten.

    Das ist ein riesiger Vorteil – denn nahezu immer sind die aktuellen Lebensumstände, der Wohnort, der Job, die Beziehungen zumindest ein Verstärker, manchmal sogar die Verursacher Deiner Probleme.Und selbst wenn nicht:
    Die Arbeit an Dir selbst, die Konfrontation mit den Wunden Deiner Seele, mit den Schmerzen der Vergangenheit, die Änderung vertrauter Denkmuster, gewohnter Verhaltensweisen – all das, was für eine Genesung oder zumindest eine Besserung Deiner Situation nötig ist – all das kostet unglaublich viel Kraft. Es tut weh. Es kostet Energie.

    Da ist es ein Geschenk, wenn Du nach einer erkenntnisreichen, aber anstrengenden Therapiesitzung an einen See gehen, durch einen Wald oder einen Park spazieren und reine, frische Luft atmen kannst. Wenn Du stundenlang Rotz und Wasser heulen, Deine ganze Verzweiflung und Wut rauslassen kannst, ohne, dass der Nachbar klingelt, Dein Kind Dich verängstigt ansieht oder Dein Partner verzweifelt an Deine Vernunft appelliert.

    Es tut gut, in dieser Situation keine Rücksicht nehmen zu müssen. Nicht gleichzeitig ein guter Partner, ein guter Vater, eine gute Mutter, ein guter Freund, ein guter Arbeitnehmer sein zu müssen.

    Das einzige, das zählt, bist DU.

    2. Du bist unter "Gleichgesinnten"

    Weißt Du mit wie vielen Selbstvorwürfen Du durch die Welt läufst, wenn Du psychisch erkrankt bist? Wie sehr Du Dich als Außenseiter, als "abnormal", als schwach, gar als Alien fühlst?
    Auch wenn es sich auf den ersten Blick gemein anhört – da bist Du wirklich froh auf Menschen zu treffen, die genauso "gestört" sind. Denen es ähnlich geht. Auf Menschen zu treffen, die sich mit ähnlichen Symptomen, mit ähnlichen Problemen quälen.
    Und die trotzdem "ganz normal" erscheinen. Die Du niemals als ebenfalls Betroffene erkannt hättest – da "draußen", im "normalen" Leben.
    Ja, da fühlst Du Dich gleich weniger außer-irdisch. Da fühlst Du Dich verstanden.

    3. Du musst nicht funktionieren

    Anknüpfend an Punkt 1: Du bist aus Deinem gewohnten Umfeld.
    Das bedeutet: Du kannst alle Verpflichtungen ablegen.
    Musst Dich eine zeitlang nicht um Haushalt kümmern, nicht ums Einkaufen, nicht um Deine Haustiere, nicht um Strom und Versicherungen. Musst nicht zur Arbeit gehen.

    Denn – ich weiß, ich wiederhole mich – Therapie kostet Kraft.

    Da ist es ein Geschenk, wenn Du nicht gleichzeitig die alltäglichen Verpflichtungen schultern musst. Wenn Du Dich nach einem schwierigen Gespräch, einer leidvollen Erkenntnis nicht möglichst schnell wieder beruhigen musst, möglichst schnell wieder Deine Maske aufsetzen, weil Du sonst im Supermarkt angestarrt oder auf der Arbeit DAS Gesprächsthema der Abteilung bist.
    Da ist es ein Geschenk, wenn Du einfach mal nicht funktionieren musst.

    Nur SEIN. Nur FÜHLEN.

    Glaub mir, das ist anstrengend genug…

    4. Du kannst die Verantwortung abgeben

    Du musst nicht funktionieren und nichts entscheiden.
    Die Klinik gibt in der Regel eine klare Stuktur vor. Du bekommst einen Stundenplan, einen Essensplan, manchmal sogar einen Freizeitplan. Du kannst jegliche Zuständigkeit abgeben, musst Dich um nichts kümmern, Dir keine Sorgen machen. Da ist jemand, der Dir sagt, wo es lang geht, der Dich leitet – bestenfalls auf den Weg zur Genesung. Das kann sehr entlastend sein.
    Gerade dann, wenn Du im Leben "draußen" sehr viel Verantwortung tragen musst.

    Natürlich haben Kliniken auch Nachteile.
    Welche das in meinen Augen sind und was Du bedenken solltest, bei der Entscheidung FÜR oder GEGEN einen Klinikaufenthalt, das erzähle ich Dir beim nächsten Mal.

    Etwas zu wagen bedeutet, vorübergehend den festen Halt zu verlieren. Nichts zu wagen bedeutet, sich selbst zu verlieren.

    — Søren Kierkegaard

    Hast Du selbst schon Erfahrungen in Kliniken? Neuere Informationen? Siehst Du noch andere Vorteile? Oder möchtest Du einfach Deine Meinung teilen?
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    Links in diesem Beitrag:
    Zum Blogbeitrag:
    Wer willst Du sein? – mein Start in ein neues Leben.

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