Selbstwert
Oder:
Warum nicht jeder ein Fachmann für 500-Euro-Scheine ist

„Du bist ein Geschenk für die Welt!“

Ich hasse diesen Satz!
Ja, wenn ich ganz ehrlich bin, hasse ich diesen Satz.
Wenn ich diesen Satz höre, lese oder schreibe, stellen sich mir die Nackenhaare auf, alles in mir sträubt sich, mein Gehirn beginnt mit der Produktion tausender Gegenargumente, mein Innerstes wappnet sich zur Gegenwehr.

ICH ein Geschenk für die Welt – Naaa klaaar!

Du fragst Dich, warum dieser Satz dann auf jeder Seelenschluckauf-Seite auftaucht? Warum dieser Satz die Überschrift meines Kontaktformulars ist? Warum er jeden meiner Newsletter abschließt?

Ganz einfach:

Weil er wahr ist

Weil ich aus tiefsten Herzen überzeugt davon bin, dass es die Wahrheit ist.
Wir alle, Du, Ich, jeder Einzelne von uns ist ein Geschenk für diese Welt!
Wir alle sind einzigartig. Wir alle sind wundervoll. Jeder auf seine ganz eigene Art.

Meine Abneigung, die Reaktion meines Inneren, die Reaktion meiner Seele auf diese Wahrheit zeigt mir nur, dass dieser Satz enorm wichtig für mich ist, dass es genau hier etwas gibt, wo ich genauer hinsehen sollte. Meine Abneigung zeigt mir eine große Baustelle meiner Seele. Eine große Baustelle, die mir oft im Weg steht, die mich ausbremst, die mich daran hindert meinen Weg zu gehen, die mich daran hindert glücklich zu sein.

Diese Reaktion meiner Seele zeigt meinen

Mangel an Selbstwert

Laut Duden handelt es sich bei einem Geschenk um

"etwas, das man jemandem zu einem bestimmten Anlass gibt, um der Person eine Freude zu machen."

In diesem Fall bin das "Etwas" also ich, die "Person" ist die Welt.

Was der "bestimmten Anlass" war, zu dem ich der Welt geschenkt wurde, eröffnet noch einmal eine ganz neue Baustelle. Hier hieße es nachdenken über den Grund des Geschenks, meine Aufgabe auf dieser Welt, den Sinn meines Lebens.
Wow, die Aussage war schon ohne diese zusätzliche Baustelle schwierig genug für mich…

Lasse ich also die Frage nach dem "bestimmten Anlass" einfachheitshalber einmal weg, bleibt noch:
Ich wurde der Welt geschenkt, um ihr damit eine Freude zu machen.

Prompte Reaktion, promte Gegenwehr meines tief in meinem Inneren, tief in meiner Seele verankerten Mangels an Selbstwert:
Warum sollte ausgerechnet ICH eine Freude für die Welt sein?
Worüber sollte sich die Welt denn da freuen?
Handelt es sich dabei (also bei mir) nicht vielmehr um ein Geschenk der Kategorie "Socken unter dem Weihnachtsbaum", "Elektrischer Dosenöffner zum Geburtstag", also der Kategorie

OhGottWieHässlichWasWillIchDennDamit?-JetztBlossNichtsAnmerkenLassen-"AchDasIstAberNett!Danke!"

Das Schlechte an den Minderwertigkeitskomplexen ist, dass die falschen Leute sie haben.

— Jacques Tati

Erste Hilfe für den Selbstwert

Ich möchte mich nicht mehr ausbremsen lassen!
Ich möchte mich nicht mehr kleinhalten lassen von einer irrationalen Überzeugung, vom irrationalen Gefühl der Wertlosigkeit!

Ja, das Gefühl ist irrational, nicht schlüssig, sachlich nicht nachvollziehbar, durch massenhaft Fakten, durch massenhaft gute Argumente widerlegbar.
Was dem Gefühl leider völlig egal ist…

Meiner Seele helfen Bilder.
Mir Wahrheiten bildlich vor Augen zu führen, hilft, sie nicht nur kognitiv zu verarbeiten, sondern sie auch in mein Herz zu lassen, sie auch zu glauben.
Geschichten erzeugen Bilder. Deshalb liebe ich Geschichten.
Vielleicht geht es Dir auch so.
Deshalb möchte ich heute zwei Geschichten mit Dir teilen, die für mich das abstrakte Thema Selbstwert ein Stück greifbarer machen. Zwei Geschichten, die mir helfen einen Zugang zum Thema Selbstwert zu finden. Einen positiven Zugang. Emotional. So, dass auch meine Seele die Wahrheit dahinter glauben kann.

Die erste Geschichte stammt aus dem Buch Geht ja doch! von Cordula Nussbaum.
Hier frei nacherzählt in meinen eigenen Worten.

Vom Wert eines 500-Euro-Scheins

Ein Professor für Psychologie trat eines Morgens vor seine Klasse, holte seinen Geldbeutel heraus und zog einen nagelneuen 500-Euro-Schein hervor.
Er wedelte mit dem Schein in der Luft und fragte:
"Angenommen, ich würde einem von Ihnen diesen Geldschein schenken wollen – Wer von Ihnen hätte diesen 500-Euro-Schein gerne?"
Die Hände der Studenten schossen nach oben. "Ich! Ich! Hey, ich habe es zuerst gesagt!"

Da nahm der Professor den Schein und knüllte ihn zwischen seinen Händen ganz klein zusammen, bis er schließlich völlig zerknittert war. Dann fragte er erneut:
"Wollen Sie den Schein jetzt immer noch haben, obwohl er nicht mehr so schön glatt und neu aussieht?"
Wieder gingen alle Hände nach oben.

Da legte der Professor den 500-Euro-Schein auf den Boden, trat mit dem Fuß darauf und wischte den Schein mehrmals genüsslich auf dem staubigen Hörsaalboden hin und her.
"Und jetzt? Wer von Ihnen möchte den Schein immer noch, obwohl er gerade auf dem Fußboden lag? Obwohl er nicht nur zerknittert, sondern auch noch ganz staubig und dreckig ist?"
Diesmal war die Reaktion der Studenten zwar ein wenig zögerlicher, aber letztlich waren wieder alle Hände zu sehen.

Da hob der Professor den nun ganz und gar nicht mehr neu aussehenden Schein auf und riss ihm eine Ecke ab.
"So, jetzt ist der Schein auch noch kaputt. Ich denke, jetzt habe ich es geschafft. Jetzt wollen Sie ihn nicht einmal mehr geschenkt, oder?"
Diese Frage war rein rhetorischer Natur, denn natürlich wollten die Anwesenden die 500 Euro immer noch gerne geschenkt. Waren es doch immer noch 500 Euro – was man sich davon alles kaufen könnte!

Da sagte der Professor:
"Sie alle, jeder Einzelne von Ihnen ist wie dieser 500-Euro-Schein.
Egal was Ihnen in Ihrem Leben widerfährt, egal von welchem Schicksal Sie gebeutelt werden, ob Sie vom Leben zerknittert werden oder so richtig im Dreck landen. Ja, selbst wenn Sie gänzlich Schiffbruch erleiden und nie wieder ganz auf die Beine kommen, so ändert das doch nichts an Ihrem eigentlichen Wert.

Ist das nicht ein wunderschönes Bild?

Jedes kleine Kind weiß, dass Geld nicht seinen Wert verliert, nur weil es irgendwann vielleicht nicht mehr ganz perfekt, nicht mehr ganz neu aussieht.
Wieso glauben wir, dass das bei einem Menschen anders ist?

Immer wenn ich das Gefühl habe, irgendetwas falsch, irgendetwas nicht gut genug, nicht perfekt genug, einen Fehler gemacht zu haben, denke ich an diesen 500-Euro-Schein.
Immer dann, wenn die negativen Stimmen in mir sehr laut werden, wenn ich mir selbst Vorwürfe mache, wenn ich mich selbst klein mache, denke ich an diese Geschichte. Immer dann, wenn ich mich von anderen Menschen missachtet, zurückgesetzt, beleidigt, herabgesetzt fühle, mache ich mir klar, dass auch ich meinen Wert niemals verlieren kann. Ja, dass dieser Wert, der mir von Geburt an gegeben ist, dieser Wert als Mensch, dass dieser Wert durch nichts und niemanden verringert oder gar zerstört werden kann, durch nichts und niemanden!

Vielleicht denkst Du jetzt:
Naja, schöne Geschichte und vielleicht auch ein bisschen wahr –
ABER
WAS, wenn ICH, im Gegensatz zu allen anderen, wenn GENAU ICH nicht als 500er, sondern nur als 5-Euro-Schein auf die Welt gekommen bin?
Dann kann ich vielleicht im Laufe meines Lebens nicht an Wert verlieren, bin aber von Grund auf schon weniger wert! Was, wenn ich schon mit weniger Wert auf die Welt gekommen bin? Mit weniger Talent, weniger Schönheit, weniger Intellekt, weniger von allem?

Falls Du so etwas denkst, willkommen im Club – genau DAS waren auch meine Gedanken.
Wenn diese Gedanken aufkommen, denke ich schnell an die zweite Geschichte.

Hast Du Lust und Zeit auch diese zweite Geschichte zu hören? Dann hier entlang!

Links in diesem Beitrag:
Zum Blogbeitrag:
Ins Handeln kommen – wie mich das mangelnde Selbstwertgefühl ausbremst
Zum Buch von Cordula Nussbaum: Geht ja doch!

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